It’s only water

Über den Jordan gehen

Jordantal in Jericho / West-Jordanland, Palästina

Das Jordantal in Jericho
Das Jordantal in Jericho

Über den Jordan gehen. Easy, seit die Wasserversorgung in Bewässerungskanäle abgezweigt und das Jordantal staubtrocken ist.

Wasser ist zum Waschen da?

Beit Sahour / West-Bank, Palästina

Ein "fruchtbares" Tal nahe Beit Sahour, West-Jordanland, Palästina
Ein „fruchtbares“ Tal nahe Beit Sahour, West-Jordanland, Palästina

Vom Stadtzentrum von Beit Sahour ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Bustan Qaraaqa. Die Hänge des Taleinschnitts, in dem der „Garten der Schildkröten“ liegt, sind mit Wohnhäusern bestückt, die Sohle wird landwirtschaftlich genutzt. Olivenbäume, Kräuter- und Gemüsebeete verleihen dem Tal einen romantischen Charakter, eine Oase inmitten der beigefarbenen Steinlandschaft kurz vor dem Einsetzen der Regenzeit. Dass dieses grüne Paradies nur durch immensen Aufwand zu erhalten ist, lernen wir von einer Dame, die sich selbst Moonbeam nennt. „

Letzten Sommer war das Wasser so knapp, dass wir auf Wäsche waschen verzichten mussten und uns selbst nur die notwendigste Körperhygiene gönnten. Sonst wären die neuen Setzlinge uns eingegangen.“, erklärt die Aktivistin. Der Bustan Qaraaqa wurde vor eineinhalb Jahren gemeinsam von Europäern und Palästinensern gegründet als Modellprojekt für nachhaltige Landwirtschaft auf Basis von Permakultur. Ob das langfristige Ziel, den Garten in die Hände von lokalen Genossenschaftern zu übergeben, erreicht werden kann, ist ungewiss. „Unsere Befürchtung ist, dass der Klimawandel im vollen Gange ist. Die Regenzeit wurde in den letzten Jahren immer kürzer, und wenn es schlimm kommt, wird dies hier zu einer Regenschatten-Zone.“ Externe Geldquellen für das alternative Projekt zu erschließen ist schwierig, und die Einnahmen aus dem kleinen Gästehaus des Bustan sind gering und unregelmäßig.

Beschmutzte Blumen

Ma’ale Adumin / Israel

Grünanlage in einer Siedlung in Israel
Grünanlage in einer Siedlung in Israel

Ma’ale Adumin, die große israelische Siedlung zwischen Bethlehem und Jericho, erscheint wie eine Oase. Die Straßen sind gesäumt von prächtigen Bäumen, die Hänge sind mit Hecken bepflanzt und immer wieder laufen wir an großen Rasenflächen entlang. Möglich wird diese grüne Pracht durch ein zentrales Bewässerungssystem, die Schläuche liegen zwischen den Sträuchern und verbinden unterirdisch die Pflanzkübel. Zentraler Punkt der Siedlung – ein weithin sichtbares Monument – ist der riesige Wasserturm. Voller Stolz zeigt uns unsere Gastgeberin ihren Kräutergarten und die liebevoll gepflegten Bambus-Stauden. Getrübt wird diese Pracht durch die Kotflecken, mit denen die zahlreich vorhandenen Tauben die Terracotta-Platten dekorieren. Einer Bitte unserer Gastfamilie Folge leistend, übernehmen wir den Auftrag, den Dreck mit Wasser und Schrubber weg zu putzen.

Wasserspiele und Stadtklima

Aqaba / Jordanien

Springbrunnen in Aqaba, Jordanien
Springbrunnen in Aqaba, Jordanien

Aqaba an der jordanischen Küste des Roten Meeres präsentiert sich aufgeräumt und wohl temperiert. Neben Weltklasse-Tauchrevieren zeichnet sich die Stadt vor allem durch das ganzjährig milde Klima aus. In den weitläufigen Grünflächen im Zentrum wirken Springbrunnen von teils beachtlicher Größe als „natürliche“ Klimaanlagen. Jordanien ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Diese Problematik ist für Besucher, ein großer Teil besucht die City als Landgang während einer Kreuzfahrt, in Aqaba keinesfalls erkennbar.

Schmutzwäsche und Körperhygiene

Umm Saihoun / Wadi Musa / Jordanien

Beduinendorf im Wadi Musa, Jordanien
Beduinendorf im Wadi Musa, Jordanien

Das Beduinendorf oberhalb der historischen Stätte Petras erscheint wie ein kläglicher Versuch Nomaden sesshaft zu machen. Im Haus unserer Gastfamilie spielt sich das Leben auf dem Boden ab. Polstermatten dienen als Sitzgelegenheit, gegessen wird mit der Hand aus der Schüssel. Trotz der trockenen Lage im Wadi Musa ist die Trinkwasserqualität außerordentlich gut. Vom Hausherrn erfahren wir, dass es aus einem unterirdischen Wasserspeicher bezogen wird. Eine unerschöpfliche Ressource, wie es beim Anblick des defekten und deshalb dauerhaft träufelnden Wasserhahns scheint. Einen ausgiebigen Duschgang und die Wäsche unserer Kleider verschieben wir. Die Nasszelle beherbergt neben der Dusche auch das Hock-Klo und bei acht permanenten Bewohnern und fünf Gästen wollen wir die Nachfrage nicht allzu lange blockieren.

Alles im Fluss

Wadi  Weida’a/Jordanien

Müllsammel-Wanderung im Wadi Weida'a, Jordanien
Müllsammel-Wanderung im Wadi Weida’a, Jordanien

Dass Umweltschutz richtig Spaß machen kann und sogar touristisches Potential bietet, erleben wir während einer samstäglichen Aufräum-Aktion im Wadi. Zwei Dutzend Freiwillige aus der Gemeinde Ghor Mazra’a am Toten Meer sowie weitere zwanzig Volontäre, die organisiert über eine lokale Couchsurfing-Gruppe extra mit dem Bus aus der Hauptstadt Amman angereist sind, treffen sich am späten Vormittag zum Canyoning Clean-up. Ausgestattet mit Müllbeuteln geht es eine Stunde durch die traumhafte Schlucht-Landschaft dem Flusslauf folgend bergauf. Vor der Steilwand verteilen sich kleine Gruppen, um auf dem Rückweg ins Tal all den Müll einzusammeln, den Besucher, der Wind und die sturzflutartigen Regenfälle über die Jahre im Gebirgseinschnitt angelagert haben. Stolzes Resultat: Fünfzig prall gefüllte Abfallsäcke und die Hälfte des Weges einigermaßen gründlich gereinigt. Was sich im unteren Teil des Wadis alles angesammelt hat, bedarf mindestens einer weiteren Reinigungs-Aktion. Und dann mit mehr Säcken.

Warmduscher

Ghor Mazra’a/Jordanien

Boiler-Reparatur im Ghor Mazra'a am Toten Meer, Jordanien
Boiler-Reparatur im Ghor Mazra’a am Toten Meer, Jordanien

Unser Gastgeber entschuldigt sich gleich nach unserer Ankunft: Kein heißes Wasser – erst muss der Boiler repariert werden. Durch den hohen Salzgehalt des Wassers im kleinen Dorf nur wenige hundert Meter entfernt vom Toten Meer ist – mal wieder – der Heizstab unbrauchbar geworden. Ein Ersatzteil ist am nächsten Tag schnell besorgt. Nach vier Tagen Abstinenz wirkt die warme Dusche wie ein alles erneuernder Sommerregen.

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Darjeeling – Zwischen Welterbe und Stahlbeton

Darjeeling – Zwischen Welterbe und Stahlbeton
Pujazeit ist Ferienzeit und da fährt man gerne zur Sommerfrische. Wie schon die Engländer während der Zeit ihrer Herrschaft über Indien, so sind auch wir der Hitze der Ebene in die Berge entflohen. Der Ausflug war in gewisser Weise auch eine Zeitreise: Es galt, das Erbe Darjeelings zu sichten, um daraus ein Heritage-Programm zu erstellen. Schließlich war es keine reine Vergnügungsfahrt, sondern ein Arbeitsaufenthalt.
Schon während der Fahrt von Siliguri bergan, wird man durchgehend von den Gleisen der Darjeeling Himalayan Railways begleitet. Auf schmalen Gleisen kämpft sich der “Toy Train” – Spielzeugzug, so der Spitzname – in sieben Stunden auf einer Strecke von 80 km fast 2000 Höhenmeter hinauf bis zur ehemaligen Sommerhauptstadt Indiens. Im Jahr 1999 hat die UNESCO dieses Kleinod vergangener Zeiten zum vermutlich längsten Weltkulturerbe erklärt:
Toy Train / Darjeeling Himalayan Railways / UNESCO World Heritage
“The Darjeeling Himalayan Railway (C ii, iv) is the first, and still the most outstanding, example of a hill passenger railway. Opened in 1881, it applied bold and ingenious engineering solutions to the problem of establishing an effective rail link across a mountainous terrain of great beauty. It is still fully operational and retains most of its original features intact.”
Ob das die Menschen, deren Haustüren und Ladengeschäfte teils nur einen halben Meter von den Gleisen entfernt sind, stolz macht oder ob der Zug sie eher belastet, bleibt herauszufinden. Unsere Unterkunft in Darjeeling ist das Swiss Hotel, mit seiner mehr als hundertjährigen Geschichte ebenfalls ein Überbleibsel längst vergangener Zeiten. Das Hotel wurde vor zwei Jahren von einer indischen Tourismusorganisation übernommen als Drehscheibe und Ausgangspunkt eines Experiments zum städtischen Ökotourismus. Mit zwei Projekten hat man sich seither der bedrohten Natur im Himalaya angenommen. Zum einen wurde eine Studie zum Himalaya Newt gemacht, einer Salamander-Art, die durch zahlreiche Eingriffe des Menschen in das natürliche Gleichgewicht vom Aussterben bedroht ist. Zum anderen wird durch die Hoteleinnahmen eine Patenschaft für ein Pärchen roter Pandas – ebenfalls eine stark gefährdete Art – finanziert. Gemeinsam mit dem Hotelmanager besuchen wir den Zoo, um mit dem Direktor die letzten Formalitäten bezüglich der Patenschaft zu klären. Beim anschließenden Rundgang öffnet uns der Direktor Türen, die sonst verschlossen bleiben und so stehen wir kurze Zeit später Auge in Auge, nur durch ein Gitter getrennt, einem Tigermännchen beachtlichen Ausmaßes gegenüber. Neben der Natur ist das architektonische Erbe, vor allem der Briten, ein weiterer Ansatzpunkt der Schutzbemühungen des Hotels. Wie auch das Hotelanwesen selbst, so sind die meisten Denkmäler umringt von bis zu achtstöckigen Häuserkomplexen. Darjeeling war und ist eine Tourismusdestination mit mittlerweile über 500 Hotels – bei ca. 100.000 Einwohnern – und nicht jeder kann und will sich die Unterkunft in einem Denkmal-Hotel leisten. Vor allem die Beherbergungsbetriebe der oberen Kategorie sind es, die das britische (Architektur-) Erbe liebevoll pflegen. Direkt neben diesen Luxusabsteigen verfallen einst prächtige Anwesen ungenutzt oder werden als Dienstgebäude der regionalen Regierung alles andere als fachgerecht zusammengehalten. Einen übergeordneten Plan zur Restaurierung dieser Kulturschätze gibt es nicht, und wer die marode Straße nach Darjeeling am eigenen Leib erfahren hat, weiß wie schwer es wäre, eine Lobby für einen solchen zu schaffen – von der Finanzierung ganz zu schweigen.
Darjeeling genießt überregional einen hervorragenden Ruf für seine Schulen und unser Besuch in St. Paul’s , einem Internat in einer Anlage aus der Kolonialzeit erlaubt einen Einblick in die Gründe. Das streng auf Disziplin ausgelegte Bildungssystem, obwohl in Großbritannien in dieser Intensität längst antiquiert, bewegt hier Eltern aus teils weit entfernten indischen Bundesstaaten, ihre Kinder elitär bilden zu lassen.
Auf dem Hügel oberhalb des Internats hat das indische Militär das Cantonment-Areal vom britischen Militär übernommen. Eine Kirche wurde letztes Jahr wieder geweiht, nachdem sie seit 1948 als Lagerraum, Mehrzweckhalle und zuletzt als Sportstätte gedient hatte. Vermutlich ist dies weltweit die einzige Kirche, in der unter den Bänken die Linien von Badmintonfeldern den Boden zieren.
Water Truck in Darjeeling
Auch wenn das britische Erbe in der Stadt noch immer mitatmet, stehen doch – vom Toy Train und seinem besonderen Schutzstatus abgesehen – alltägliche Probleme im Vordergrund. Darjeeling leidet unter akutem Wassermangel, sodass Trinkwasser von weit entfernten Quellen mit LKWs in die Stadt gebracht werden muss. Zudem bleiben die Touristen – sowohl Haupteinnahmequelle als auch Mitverursacher der Wasserknappheit – zunehmend aus. Obwohl auch im Swiss Hotel die Wasserversorgung nur per Bestellung gewährleistet wird, so hat man dort einen möglichen Lösungsansatz. Durch Bewerbung von Unterkünften in den Dörfern des Bergdistrikts versucht man den touristischen Druck auf die Distrikt-Hauptstadt zu entzerren. Dies wird die Sorgen der lokalen Hoteliers kaum mindern, aber immerhin bietet dieser Ansatz Alternativen zur Abwanderung aus dem ländlichen Raum.
Tee als eine Hauptattraktion der Gegend ist ein neuer Vermarktungsschwerpunkt der Touristiker und wo guter Tee wächst, gibt es auch viele Erholungsmöglichkeiten im Grünen. Die aus vielen Regionen zugewanderten Arbeiter in den Teeplantagen bieten zudem ein Potpourrie kultureller Eigenheiten, das es zu entdecken gilt.
Dieses reiche kulturelle Erbe der zahlreichen Bergvölker musste bei diesem Ausflug vorerst hintan stehen.