Studiobesuch beim Barbier

Nach dem Besuch beim Barbier steigt das Mitgefuehl fuer Hähnchen
Nach dem Besuch beim Barbier steigt das Mitgefühl fuer Hähnchen

Mein Gesicht brennt wie Feuer, als ich den Frisörsalon verlasse. Ich liebe es, mich rasieren zu lassen, und in Bethlehem gab es Gelegenheit. Zu einer glatten Gesichtshaut gehört hier neben dem üblichen Prozedere mit Schaum und Klinge auch die Entfernung von Wangen- und Ohrenhaaren. Kunstvoll wickelt sich der Barbier einen roten Bindfaden um die Finger und reißt mir in rasender Geschwindigkeit selbst den kleinsten Flaum von der Pelle. „Ob der Bindfaden rot ist, damit man das Blut nicht sieht?“, denke ich bei mir und gebiete rechtzeitig Einhalt, bevor meine Augenbrauen ausgedünnt werden sollen. ‚Wer schön sein will, muss leiden’, sagt das Sprichwort. Und mein Folterknecht ist ein wahrer Meister seines Faches. Da wundert es kaum, dass ich auf zwanzig Schekel nur fünf Schekel Wechselgeld zurück erhalte. Studiobesuche sind eben teuer.

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Was? Italian Saloon

Was ist ein „Italian Saloon“?Italian Saloon Kolkata_Neues am Neunten Oktober 2007_Was ist…

a) eine Eisdiele

b) ein Frisörsalon

c) eine Kneipe mit Schwingtür

Ita ist das bengalische Wort für Backstein. Auf einem solchen sitzt man oftmals, wenn man sich auf der Straße rasieren oder frisieren lässt. Ein Mann – eine Frau haben wir bisher nie in dieser Rolle gesehen -, der sich auf der Straße um anderer Leute Haare kümmert, ist folglich der Inhaber eines Italian Saloon. (Auch wenn das, lieber U., nix mit Alkohol zu tun hat – höchstens mit Alaunstein)

Auf Messers Schneide

Vereinzelt findet man sie noch, zum Beispiel im Osten vom Westen, im Wedding. Barbiere. Hier ist es mir ein Fest, dass ich dieses lästige Übel delegieren kann. In den Städten ist es meist Bequemlichkeit.  Auf dem Land – je kleiner das Dorf, umso besser – kommt ein gewisser Unterhaltungseffekt dazu. Mit jedem Schritt, mit dem man sich dem Barber nähert (nicht immer ist es ein Salon, oft ist es nur ein Stuhl auf der Strasse inkl. eines Spiegels an einem Baum oder einer Wand), werden seine Augen größer. Wer in der Kunst des Blicklesens bewandert ist, weiss: aus einem anfänglichen „der hat sich wohl verlaufen“, wird ein erstauntes „oder etwa doch nicht“, gefolgt von einem „der meint es tatsächlich ernst“, sobald man den Stuhl besteigt und mit Gesten den Grund des Besuches kommuniziert. Zwar rasiert ein indischer Barbier pro Tag geschätzt 20 Leute, selten jedoch derart hellhäutige. Daher vermutlich die anfänglich spürbare Unsicherheit: „Rasiert man eine helle Haut genauso wie eine dunklere?“ Schon während des Einpinselns entspannt sich die Situation. Die Rasur beginnt an den Koteletten und ein Schnitt hier wäre zwar peinlich, aber dennoch verkraftbar. Mit jedem Quadratzentimeter weggeschabtem Schaum wird der Maestro sicherer. Und bis es mir an die Gurgel geht, sind auch die letzten Schweisstropfen von seiner Stirn verschwunden. Ich bin ein ganz gewöhnlicher, wenn auch ungewöhnlicher Kunde. Haarscharf.