Meine erste Fotoausstellung

„La main d’oevre“, so sagen die Franzosen zur Arbeit. Klingt allemal besser als Handarbeit, der Titel, den ich mir ursprünglich für die Fotokollektion ausgedacht hatte. Schön, wenn man frankophile Freunde hat, im konkreten Fall Joachim vom Weddingweiser-Blog. Aber auch ohne hochtrabenden Titel hätten die Bilder, die ich von arbeitenden Händen in Indien gemacht habe, Sophia vom Café Aman! in Berlin wohl gefallen. Sie hat jedenfalls gleich zugestimmt, als ich Sie nach einer Ausstellungsfläche gefragt habe.

Seit 29. August hängen die Bilder nun in der Sprengelstraße in Berlin-Wedding und können dort täglich ab 17 Uhr angeschaut werden.

Die Werbung für die Vernissage kam übrigens vom Nr. 1 Blog für den Wedding.

2015_Fotoausstellung-La-main-d-oeuvre

Von Hand zu Fuß

Altes Plakat der Rodalbkinder Schuhfabrik„Ich weiß nicht ob ich der letzte im Landkreis bin, der noch Schuhe von Hand macht, aber viele sind wir nicht mehr.“ Schuhproduktion hat im Pfälzer Wald Tradition. Alleine im Ort Rodalben gab es zeitweilig 38 Schuhfabriken, heute ist Johannes Wagner ein Unikum im Ort.

Nach dem Maßnehmen wird aus Lederstücken, Klettverschluss, Ösen und Gummisohle in knapp eineinhalb Stunden ein fertiger Kinderschuh. Herr Wagner läuft selbst von Maschine zu Maschine. Der Stanzer mit den Formen in verschiedenen Schuhgrößen steht im Erdgeschoss, die Nähmaschinen zum Absteppen der Lederteile im Stockwerk darüber. „Früher hatten wir bis zu zwanzig Angestellte hier; 270 Paar Schuhe sind hier am Tag gemacht worden.“, erzählt der rüstige Sechsigjährige. Gegründet hatte vor über fünfzig Jahren sein Vater den Betrieb. Damals war die große Zeit der pfälzischen Schuhe schon am Abklingen, aber in der Nische konnte man leben. Gemeinsam mit dem Bruder übernahm er den Betrieb. Ehrensache. „Mit der Herstellung hatte ich ursprünglich gar nichts zu tun. Ich war kaufmännischer Leiter.“ Nach dem Ausscheiden des Bruders – der hatte die Produktion geleitet – kam die Sinnfrage. Wagner entschied sich für Gesundschrumpfen und Weitermachen. Und brachte sich selbst alle Prozesse, Tricks und Kniffe bei. Da war er 58. Seither macht er meist Spezialschuhe auf Maß für Orthesen-Träger. „Viel ist es nicht, aber ich muss heute auch nicht mehr davon leben. Es ist ein schöner Zeitvertreib und eine sinnvolle Ergänzung.“ Dass er mit einem ostasiatischen Lohnniveau weder mithalten kann noch will, ist klar. Bezahlbar sind seine Schuhe dennoch allemal. Und das Erlebnisprogramm beim Entstehen des eigenen Schuhs zuzuschauen, das ist für Kinder und Erwachsene ohnehin einiges Wert.
http://www.rodalbkinder.de