On the road again!

On the road again!

Autos dicht gedrängt, kreuz und quer - nicht nur auf diesem Parkplatz ein alltäglicher Anblick

Foto: Autos dicht gedrängt, kreuz und quer – nicht nur auf diesem Parkplatz ein alltäglicher Anblick

Frohgelaunt radele ich in die Stadt; am frühen Morgen ist der Verkehr zum Glück noch nicht ganz so unbeherrscht. „Über das tägliche Kampfschwimmen im Verkehrsfluss müsste die Zeitung mal schreiben“, denke ich, „die haben doch schließlich die Aufgabe die Bevölkerung vor unmittelbaren Bedrohungen zu warnen.“ Aber dafür ist das wilde Miteinander auf der Straße – Resultat des Zusammenlebens von 1000 Menschen pro Quadratkilometer – wohl nicht spektakulär genug. Wie schwierig es ist, Alltag zu beschreiben, hatten wir ja schon. Und ich muss gestehen, dass ich selbst – nach monatelangem Training –rasant wie James Bond zwischen den Autos durchflitze; dauerhaft klingelnd, erst im letzten Moment bremsend, und ohne vernünftiges Verhältnis zum Sicherheitsabstand. Man ist ja anpassungsfähig. Gefahr ist eine Sache der Wahrnehmung und der Gewohnheit.

Ein Bus prescht nachts durch eine Strasse in Kalkutta

Foto: Ein Bus prescht nachts durch eine Strasse in Kalkutta

Wenn ich nicht weiß, dass gleich ein LKW ohne Vorwarnung aus der Hauseinfahrt auf die Straße rast, mache ich mir auch keinen Kummer darum. „Die werden schon bremsen“, denkt sich der Fahrer und blockiert frech die ganze Fahrbahn. Und recht hat er. Mit jedem Mal, dass man eine solche Situation erlebt, sinkt der Puls: 200-180-160… Irgendwann ist die Überraschung weg, die Gefahr verflogen, der Vorgang habituiert, die Pulsfrequenz normal. Angst hat man nur vor dem Unbekannten – und um eben das zu entdecken, gehen wir ja auf Reisen. Man gewöhnt sich an allerhand, wenn man nur genug Zeit hat. Lernen ist eine veränderte Reaktion auf sich wiederholende Impulse. Wenn Lernen wirklich ein wichtiger Bestandteil des Reisens ist, dann tut die zweite Jeep-Fahrt auf unbefestigter Straße ins abgelegene Bergdorf schon weniger weh. Und wird vielleicht zu einer der Hauptattraktionen des Urlaubs.

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Sicher ist sicher

Being on the safe side

Cyclist
Radfahrer

Der Polizeichef von Siliguri radelt – ein großes Lob dafür – zur Arbeit, und schließt im Innenhof des Polizeireviers gewissenhaft sein Fahrrad ab. Gewohnheit, Vorsicht oder ein Statement zur Sicherheit von Polizeirevier-Innenhöfen? Ein hohes Tor, immer verriegelt, und ein Wachhund – in unserem Innenhof haben wir tagsüber die Fahrräder lange nicht abgeschlossen. Bis uns der Wachmann seine Sorge mitgeteilt hat, sie könnten gestohlen werden. Wir haben seinen Rat befolgt. Wir wollen uns ja kulturell nicht ins Abseits stellen. Zur Sicherheit.

A group of sleeping street dogs, no dog piles in sight
Ein friedlich schlafende Gruppe von Straßenhunden, weit und breit keine Tretminen in Sicht.
A group of sleeping street dogs. No dog piles in sight.

In Europa lauern aber Gefahren, denen man hier eher selten begegnet. Herren- (und damen-) lose Hunde sind ein alltäglicher Anblick. An fast jeder Ecke stehen welche, oder sie liegen in Hauseingängen, oder mitten auf der Straße. Sie ernähren sich von Abfall und vertreiben sich die Zeit mit Revierkämpfen. Nun treibt uns die Frage um, warum so wenig ‘Tretmine’ herumliegen. Kriegen die Hunde weniger zu fressen, sodass auch die Ausscheidungsmasse entsprechend geringer ist? Oder haben sie spezielle Stuhlgangreviere, fernab von Fusswegen? Es ist ein Faszinosum: Während man in Berlin vielerorts auf Zehenspitzen mit großer Voraussicht durch die Straßen balancieren muss, kann man hier getrost den Blick schweifen lassen. Es ist erstaunlich, aber es gibt kaum Hundehaufen. Da sind Kuhfladen schon ein weitaus alltäglicherer Anblick. Und die sind so groß, dass man gute Chance hat sicher mit sauberen Schuhen durch die Welt zu gehen.