Winnie the poux

Ein wahrlich tierischer Herbst ist vorbei. Gemeinsam mit den Zugvögeln sind wir Anfang November in Südwest-Frankreich eingetroffen. Im Gepäck tierische Begleiter. Zum einen als Gute-Nacht-Lektüre für die Kinder die Gesamtausgabe von „Pu der Bär“ – im Englischen Originaltitel „Winnie-the-Pooh“. Das zweite animalische Gepäckstück ist ebenfalls ein Pu: Poux ist die französische Bezeichnung für Läuse.

Männliche Kopflaus (By Gilles San Martin [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons)

Männliche Kopflaus (By Gilles San Martin [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons)

Nach einigen Tagen unbemerkter Vermehrung wimmelt es auf den Kinderköpfen. Wir schlußfolgern, dass es sich um ein Souvenir von der Nachtzugreise handelt, das dann von Kind zu Kind Ausflüge übernommen hat. Erst von Tamuna zu Samiran, danach zu den vier Kindern unserer Gastfamilie. Es gibt Momente, wo man kaum dankbar genug sein kann, bei Privatleuten untergekommen zu sein. Eine Lausbehandlung in einem Hotel muss der Horror schlechthin sein. Wir behandeln binnen einer Woche alle Köpfe – kindlich wie erwachsen – zweimal mit der chemischen Keule und waschen sämtliche Kleider und sonstigen Textilien. Die Waschmaschine läuft rund um die Uhr, die großen Teile wie Bettwäsche gehen in den Waschsalon. Zum Glück erlauben Außentemperaturen von fast 20 Grad schnelles Trocknen an der Sonne. Fraglich wie eine solche logistische Meisterleistung in einem öffentlichen Raum funktionieren soll. Wir profitieren noch heute von den Erfahrungen. Kaum aus dem Urlaub zurück flattern aus Schule und Kindergarten die Warnzettel ein: „Es sind Fälle von Lausbefall aufgetreten“. Also startet Behandlungsmarathon Nummer zwei. Nach insgesamt 80 Euro Ausgaben für französische und österreichische Anti-Laus-Chemie,  zweifachem Komplett-Waschprogramm und 15 Zentimeter Haarverlust bei den Kindern – zwecks erträglicherem Auskämmen mit dem Lauskamm – klingelt letzte Woche das Telefon: Der Kindergarten. Bei Samiran, am selben Morgen amtsärztlich als lausfrei testiert, wurde eine Laus gefunden. Ob schlechter Witz oder Ironie des Schicksals, er muss wieder in Behandlung. Diesmal mach ich mich vorher ein wenig schlau und finde zweierlei heraus: Mayonnaise scheint als Hausmittel bestens geeignet – und das spart richtig Geld. Ammenmärchen scheinen ebenso schwer loszuwerden wie die Lauseier selbst:  Läuse werden nur selten von Kapuze zu Kapuze übertragen, Nissen an den Haarspitzen sind gefährlich,…. Die neuen Therapie-Optionen nehmen dem Lausangriff etwas den Schrecken.

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