Orient trifft Okzident – Reisenotizen aus Bosnien

Baklava und Sahnetorte - Schnittstelle Orient-Okzident in einer Bäckerei in Sarajevo

Baklava und Sahnetorte - Schnittstelle Orient-Okzident in einer Bäckerei in Sarajevo

Um die Ecke vom Cafe Habsburg sitzt ein Schuhputzer hinter seinem Kasten.
Zwischen Raiffeisenbank und Volksbank steht in der Fußgängerzone, auf einen Stock gestützt, eine bucklige Bettlerin. Ihre Hände sind auffällig jung, ihr Gesicht – versteckt unter einem Kopftuch und tief gen Boden gebeugt – bleibt unsichtbar. Bald beginnt die Live-Übertragung einer Talkshow des lokalen Fernsehens vor der Kathedrale gegenüber. Die Polizei vertreibt die Persona-non-Grata, aus den Lautsprechern neben der Bühne plärren die Gipsy-Kings „Baila, baila…“. Es dauert Minuten, bis sich die „Alte“ auf ihren krummen Füßen die Straße hinweg „getanzt“ hat.
Iftar, das Fastenbrechen im islamischen Monat Ramadan, wird allabendlich vor der serbisch-orthodoxen Kirche zelebriert.
Nasreddin Hodja verteilt Süßigkeiten. Ängstlich angesichts des langen weißen Barts und des großartigen Turbans versteckt sich der kleine Junge hinter seiner Mutter.
Das türkische Cafe-Haus im historischen Gemäuer strahlt im Kerzenschein zu lauter Popmusik vom Bosporus. Jugendliche von nebenan und aus der ganzen Welt mühen sich bei Espresso a la Italiano ihre Nargile auf Rauchtemperatur zu pusten. Die Schweißperlen auf der Stirn rufen nach kaltem Bier – vergeblich.
Elf Uhr nachts: Die Straßencafes in der Fußgängerzone sind brechend voll. Junge Mütter treffen ihre Freundinnen auf eine Zigarette. Jugendliche verweilen auf eine Cola bis zum Ende der Kohlensäure. Touristen trinken Bier. Vorüber zieht ein Potpourri von Pornostar-Wanna-Be’s und Frauen mit Kopftuch.
„I hope you have enjoyed the flight!” Was? Das Plastikessen? Die Enge? Die Musik, die ich aus dem Kopfhörer des Sitznachbarn mithören muss? Oder die geschmacklose Brühe, die ich als Kaffee bestellt hatte. Vielleicht hatte sie Tee verstanden. Überprüfung unmöglich.