Studiobesuch beim Barbier

Nach dem Besuch beim Barbier steigt das Mitgefuehl fuer Hähnchen

Nach dem Besuch beim Barbier steigt das Mitgefühl fuer Hähnchen

Mein Gesicht brennt wie Feuer, als ich den Frisörsalon verlasse. Ich liebe es, mich rasieren zu lassen, und in Bethlehem gab es Gelegenheit. Zu einer glatten Gesichtshaut gehört hier neben dem üblichen Prozedere mit Schaum und Klinge auch die Entfernung von Wangen- und Ohrenhaaren. Kunstvoll wickelt sich der Barbier einen roten Bindfaden um die Finger und reißt mir in rasender Geschwindigkeit selbst den kleinsten Flaum von der Pelle. „Ob der Bindfaden rot ist, damit man das Blut nicht sieht?“, denke ich bei mir und gebiete rechtzeitig Einhalt, bevor meine Augenbrauen ausgedünnt werden sollen. ‚Wer schön sein will, muss leiden’, sagt das Sprichwort. Und mein Folterknecht ist ein wahrer Meister seines Faches. Da wundert es kaum, dass ich auf zwanzig Schekel nur fünf Schekel Wechselgeld zurück erhalte. Studiobesuche sind eben teuer.

Bethlehem – Besuche an der Oberfläche

1,5 Millionen Menschen besuchen, laut Angabe eines Diensthabenden Priesters, jährlich die Geburtskirche in Bethlehem. Sehr bescheiden nimmt sich dagegen das Interesse an dem liebevoll erhaltenen Wohnhaus in der Altstadt aus, das von der Arab Women’s Union verwaltet wird. „2008 hatten wir 567 Besucherinnen und Besucher hier.“, erzählt mir die Dame an der Kasse nach einem kurzen Blick in das Kassabuch. Im angegliederten Verkaufsraum werden Stickereien feilgeboten. Das traditionelle Hochzeitsgewand, einer der schönsten Ausstellungsgegenstände im

Museum, stellt niemand mehr her. „Zu teuer, zu aufwändig, zu wenig Interesse“, bemerkt die Dame recht nüchtern. Die Antwort auf die Frage, was passiert wenn das alte Wissen einmal verloren ist, bleibt sie schuldig.

Urlaub impossible!

„Gehen Sie dort, wo sie hinfahren, bitte zum Doktor“, hatte mir der Sportarzt in Wien empfohlen. Drei Wochen hatte ich die immer erträglichen Schmerzen im Oberarm mitgeschleppt, bevor ich kurz vor unserer Abreise doch noch in eine Praxis bin. Eine eingehende Untersuchung mit Ultraschall und Röntgen hätte den Besuch zweier weiterer Praxen erfordert, aber dafür war die Zeit zu knapp. „Mr. Marcus bitte“. Wenige Minuten nach der Anmeldung im Beit Sahour Health Center werde ich in den Behandlungsraum gerufen. In fließendem Englisch befragt mich der Arzt nach meinen Beschwerden und schickt mich weiter zum Röntgen. Ein junger Orthopäde, der nach zwölfjährigem Studium in Russland wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist, diagnostiziert anhand der Aufnahmen und einiger weiterer Tests einen Muskelfaserriss. Mit einem freundschaftlichen Klapps ob meines falsch verstandenen Heldentums und einer Cortison-Spritze schickt er mich in die Genesung. „Wir sehen uns dann nächsten Freitag wieder. Einfach vorbeikommen, ich bin ab 14 Uhr da.“ Schnell, freundlich, gut – so machen Arztbesuche Spass.

Wenn man im Tourismus tätig ist, dann schwindet schnell die Grenze von Urlaub und Arbeit. Wir kommen beim Abendessen mit Ibrahim, dem Kellner ins Gespräch. „Aus Deutschland? Mein Bruder ist Lektor an der Universität von Breda in Holland.“ Tourismus unterrichtet er dort, gerade ist sein Buch über das Reiseverhalten von Kulturtouristen erschienen.

Fair-Reisen im Heiligen Land

Im Büro der Alternative Tourism Group (ATG) treffe ich Rami Kassir, den Direktor. Er freut sich, einen Mitarbeiter von respect zu treffen. Schließlich ist das TEN-Network der europäischen Tourismus-NGOs ein wichtiger Partner in den Bemühungen der ATG, dem Tourismus nach Palästina mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ich wusste, dass die Reiseindustrie in Palästina mit vielfältigen Problemen konfrontiert ist. Nach einigen Sätzen von Rami wird mir klar, wie komplex die ganze Situation sich für die einheimische Tourismusbranche ist. Es bleibt mir nicht viel mehr, als mich für meine schlechte Reisevorbereitung zu entschuldigen. „Das können wir nachholen“, sagt Rami, und drückt mir drei Bücher in die Hand. Einen Reiseführer „Palestine and the Palestinians“, der Ende des Jahres auch auf Deutsch erscheinen wird. Zusätzlich zwei Dokumentationen zu Workshops, in denen ATG gemeinsam mit ECOT und Development for Golan nach Wegen für einen gerechten Tourismus im Heiligen Land gesucht hatten. Die Suche dauert an, aber ein wichtiger Meilenstein ist erreicht: Der „Verhaltenskodex für Tourismus im Heilige Land“ ist sowohl Leitfaden für Reisende als auch Richtlinie für die Akteure der Reisebranche in Palästina.

Ankommen-Reinschauen-Verbunden bleiben

Tamuna war die erste, die die gasgefüllten Luftballons an der Decke der Flughafenhalle entdeckte. Dutzende schwebten dort, manche prall gefüllt, anderen war schon etwas die Luft ausgegangen. Wie wir im Laufe einer langen Nacht im Ankunftsbereich des Tel-Aviver Flughafens beobachten konnten, scheinen derartige Ballons ein Bestandteil des Wiedersehens- bzw. Abhol-Zeremoniums.

Während der Busfahrt nach Jerusalem gewinnen wir blitzlichtartig durch heruntergelassene Jalousien und die schmutzige Heckscheibe einen ersten Eindruck vom heiligen Land: Zerklüftet. Immer wieder tun sich Taleinschnitte auf, der Horizont ist immer nah. In Jerusalem ist unsere erste Anlaufstation das österreichische Hospiz, ein Gästehaus unter kirchlicher Leitung. Der freundliche Rezeptionist bewahrt unser Gepäck auf, sodass wir für zwei Stunden durch die Bazar-Gassen und über die Dächer der Altstadt auf Erkundungstour gehen können.

Nach Rücksprache mit der deutschen Botschaft in Tel Aviv trauen wir uns auch ohne Visumstempel nach Bethlehem in die Westbank. Die Dame von der Einreisebehörde hatte weder Pass noch ein separates Papier gestempelt. Alles geht reibungslos und wir kommen am Nachmittag erschöpft aber voll neuer freundlicher Eindrücke bei unserer netten Gastfamilie in Beit Sahour an. Zwei Schlafzimmer, eine geräumige zum Wohnzimmer hin offene Küche und ein Bad im Erdgeschoss ihres Hauses werden die nächsten beiden Wochen unsere Bleibe sein. Neben Lebensmitteln hilft mir unser Gastgeber Essam auch bei der Besorgung eines Adapters (10 NIS), um unsere elektrischen Gerätschaften ans hiesige Stromnetz anschließen zu können.

Eh alles Wurst!

Die Reise geht los mit einer Überraschung. Air Berlin serviert auf dem Flug nach Tel Aviv die „Kult-Currywurst der ‚Sansibar’ aus Kalb- und Schweinefleisch“. Ein netter Top-Up, hatten wir doch angenommen, dass das Geschnetzelte gestern das letzte Schwein des Jahres sein würde. Bemerkenswert: In der englischen Menü-Beschreibung von Schwein kein Wort. Ob das so koscher ist???

Österreich ist Europameister!!!

Aschenbecher in Form einer Riesen-Zigarette

Aschenbecher in Form einer Riesen-Zigarette

Subjektiv habe ich Österreich schon lange als Raucherland wahrgenommen. Gestern bin ich über die Seite der Europäischen Statistik-Behörde EUROSTAT gestolpert und dort gibts dann die objektive Preisverleihung:

Österreich ist Europameister!!!

Kurzbeschreibung: Der Tabakkonsum stellt weiterhin die führende vermeidbare Ursache für Krankheit und Todesfälle in unserer Gesellschaft dar. Er bildet einen hohen Risikofaktor für Herz- und Gefäßkrankheiten, chronische Bronchitis und Emphyseme, Lungenkrebs und andere Erkrankungen. Der Indikator wird definiert als Zahl der aktuellen Raucher, ausgedrückt als prozentualer Anteil an der Bevölkerung. Als aktueller Raucher gilt, wer angibt, täglich oder gelegentlich zu rauchen. Die Daten stammen aus nicht-harmonisierten nationalen Gesundheitserhebungen (HIS, Health Interview Surveys). Die Länder wurden gebeten, die Daten gemäß den Eurostat Leitlinien nachzubereiten. Die HIS-Daten wurden je nach Land in verschiedenen Jahren erhoben, im Zeitraum von 1996 bis 2003.

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Quelle: Eurostat


Austria Tabak

Betriebskrankenkasse Austria Tabak

Betriebskrankenkasse Austria Tabak

Dass man sich in Österreich in besonderer Weise der Raucher annimmt, zeigt auch die Existenz dieser skurrilen Krankenkasse, der Betriebskrankenkasse Austria Tabak.

Die Selbstdarstellung verrät: „Wir wollen ein fairer Partner für Sie sein. Ihre Gesundheit ist unser Anliegen.“

Nicht ganz so fair ist es, dass der Eigentümer von Austria Tabak (fehlende) Sprachkenntnisse zu seinem Vorteil nutzt. Auf der internationalen Seite von Japan Tobacco Inc., dem drittgrößten Tabakkonzern der Welt, ist die Sektion „Smoking and Health“ als Teilbereich der „Corporate Responsibility“ absichtlich nur in englischer Sprache verfügbar.

Please note, this page is intentionally left in English.

Verantwortungsvolle Kommunikation: "Please note, this page is intentionally left in English."


Widerstand

gegen die Qualmerei gibt es aber auch. Er findet sich in Form von Stickern an Laternenpfosten.

Sticker: Smoke Sucks

Sticker: Smoke Sucks

Ka'Tschickistan! - Kampagnenaufkleber

Ka'Tschickistan! - Kampagnenaufkleber

Zur Erklärung sei vermerkt: Ein „Tschick“ ist in Österreich das, was man in Deutschland als „Kippe“ bezeichnet. Und die Kampagne „Ka‘ Tschick ist an! – Keine Kippe ist an!“ richtet sich gegen das Rauchen im Auto:

Dass Zigarettenrauch schädlich ist, hat sich schon herumgesprochen. (Passiv)rauchen im Auto ist besonders gefährlich: Die Schadstoffkonzentration und die Feinstaubbelastung im Wageninneren übersteigen die im Freien erlaubten Grenzwerte bis um das 20-Fache!

Kinder leiden besonders unter den Auswirkungen des Passivrauchens, da ihre Organe und ihr Immunsystem noch nicht voll entwickelt sind. Auch nichtrauchende erwachsene Mitfahrer (und natürlich Sie) sind der höheren Schadstoffkonzentration ausgesetzt.

Darüber hinaus gefährdet Rauchen im Auto die Verkehrssicherheit: Es lenkt ab (Zigarette anzünden, Abäschern, etc.), wirkt sich negativ auf die Konzentrationsfähigkeit aus (der Kohlenmonoxidgehalt im Blut steigt, während der Sauerstoffgehalt im Gehirn sinkt), und nicht zuletzt können noch brennende, aus dem Fenster geworfene Zigarettenstummel gefährliche Brände verursachen.

Darum: verzichten Sie auf die Zigarette im Auto!

www.katschickistan.at

Alles in Ordnung!

"Aus is' - Im Aschenbecher"

"Aus is' - Im Aschenbecher"

Rund 868 Millionen Zigarettenstummel landen jährlich in Wien am Boden: Damit könnte man flächenmäßig 30 Fußballfelder füllen. Ob die Magistratsabteilung 48, zuständig für Sauberkeit und Müllentsorgung in Wien, mit den neuen zigarettenförmigen Sonderbehältnisse dem Werfen von Zigarettentummeln aus dem Autofenster Einhalt gebieten kann, ist fraglich.

Das jährliche Volumen der weggeworfenen Stummel entspricht dem Inhalt von 36.200 Papierkörben. Mit der Aufschrift „Host an Tschick?“ versehene Aschenrohre aus einem feuerfesten Metall- Zylinder sollen jetzt für mehr Sauberkeit sorgen. Die neuen Aschen- Rohre fassen über 1.000 Zigarettenstummel und sind daher auch auf gut frequentierten Plätzen ausreichend dimensioniert. Die Entleerung erfolgt mittels Klappe am unteren Ende, welche die MA 48 selbst entwickelt und beim Patentamt angemeldet hat.

„Es gibt längst keine Ausreden mehr, Zigarettenstummel ordentlich zu entsorgen, das Angebot der MA 48 steht“, so Umweltstadträtin Ulli Sima. Zigaretten benötigen rund ein bis fünf Jahre zum Verrotten. In Grünflächen sind sie nur sehr schwer bis gar nicht zu entfernen. Dass die neuen Aschen- Rohre allein für mehr Sauberkeit in der Stadt sorgen werden, glaubt aber anscheinend auch im Rathaus nur wenige. Deshalb wurde in einer Aussendung der Wiener Rathauskorrespondenz auch gleich vorsorglich darauf hingewiesen, dass „die Wiener WasteWatcher befugt sind, bei Nichtbefolgen der ordnungsgemäßen Entsorgung zu ermahnen, aber auch Organstrafmandate in der Höhe von 36 Euro zu verhängen“.

Quelle: www.austria.com – „Host an Tschick?“ – Wien macht gegen Zigarettenstummel mobil