Vom natürlichen Recht auf Werbung

Postkasten mit Werbung557 Gramm Werbe-Prospekte (nachgewogen!!!) waren dieser Tage in unserem Briefkasten – die stolze Ausbeute nur eines einzigen Tages. Eines beliebigen – wenn auch überdurchschnittlichen – Tages. Ich mag einsehen, dass der Zusteller verwirrt war, ob der vielen Namen am Briefkasten: Der Vermieter steht noch drauf, Andrea und die Kinder haben einen anderen Nachnamen als ich und unser aktueller und unser vorheriger Mitbewohner stehen auch noch da. Verständlich, dass jeder seine eigenen Prospekte benötigt – und auch bekommt. In Rücksprache mit allen Betroffenen haben wir eines Tages demokratisch beschlossen, dass wir fürderhin ganz auf nicht-adressierte Werbepost verzichten möchten. Ein Aufkleber „STOP – Keine Werbung!!!“ war schnell von Hand gemalt und am Briefkasten angebracht. Und natürlich an der Wohnungstür, um die kleinen Plastiktütchen mit Prospekten und die Speisekarten am Gummiring von der Pizzeria um die Ecke abzuwehren.

Eine schwere Last: Kaufanreize im KilogebindeDie Haltbarkeit der Aufkleber lag bei einem Tag. Dann waren sie verschwunden und der Postkasten wieder voller Reklame. Dreimal ging das ganze bisher so. Gestern schließlich habe ich einen Werbe-Verteiler in Aktion erwischt und ihn nach der korrekten Beschwerde-Adresse befragt. Die Ausweiskarte, die er mir vorzeigte, legitimierte ihn als Zusteller im Auftrag der Österreichischen Post. Ein Anruf auf der vermerkten Hotline-Nummer bestätigte, dass die Papierflut von einer 100-prozentigen Tochterfirma der staatlichen Post verteilt wird und dass wirksame „Stop-Keine Werbung!!!“ Aufkleber nur bei der Wirtschaftskammer erhältlich seien. Der Fachverband Werbung & Marktkommunikation unterhält eine eigene Abteilung zum Thema „Bitte kein Reklamematerial“ mit angeschlossener Hotline. Nach wenigen Minuten in der Warteschleife erklärt mir eine freundliche Dame das weitere Vorgehen: Einen adressierten und mit 55 Cent frankierten Rückumschlag mit Kennwort „Kein Werbematerial“ zuschicken und man erhält einen oder auf ausdrücklichen – schriftlich geäußerten – Wunsch bis zu drei Aufkleber. Warum nicht gleich für die ganze Hausgemeinschaft mitbestellen, denke ich mir und erfahre: Eine Sammelbestellung sei prinzipiell möglich, allerdings müsse hierzu eine Unterschriftsliste und eine Kenntnisnahme der Hausverwaltung eingereicht werden.

Von einer Unterschriftliste für eine Petition gegen die generelle Zumüllung mit unerwünschter Werbung weiß die Telefon-Stimme leider nichts. Wäre ja irgendwie nachhaltiger. Andererseits muß man hier auch ausdrücklich der pauschalen Entnahme seiner Organe widersprechen.(Organe) geben und (Prospekte) nehmen – ein natürliches Recht in Österreich.

Update: Hier das Antwortschreiben der besagten Agentur – vielleicht hilfts ja auch als Adressreferenz für weitere Werbe-Verweigerer.

Brief der Werbemittelverteiler Agentur

Brief der Werbemittelverteiler Agentur

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2 Kommentare zu “Vom natürlichen Recht auf Werbung

  1. Aha, also ein internationales Phänomen. Ich habe allerdings ganz auf einen solchen Aufkleber verzichtet. Irgendwie tun mir die Austräger (meist mit „Migrationshintergrund“) leid. Und wenn man die Stapel mit nicht ausgetragenen Prospekten dann im Vorgarten findet, erscheint einem ein solcher Aufkleber umso sinnloser. Noch konsequenter gehen die Zusteller selbst in unserem Haus vor. Neuerdings werden die Werbeblättchen einfach als Stapel auf die Treppe gelegt. Soll sich doch jeder bedienen, der sie haben möchte.

    Übrigens ist auch die Deutsche Post ganz groß im Werbegeschäft drin. Dafür wurden eigens neue graue Verteilerkästen auf die Bürgersteige gestellt. Ich dachte bislang immer, dass es sich um Stromkästen oder Telekom-Kästen handelt. Pustekuchen! Samstags werden dort die Pakete mit der Post-Werbegazette (mit TV-Programm) für die Zustellung bereitgestellt.

    Würde mich nicht wundern, wenn das Post-Blättchen die Apotheken-Umschau an Auflage übertrumpft.

  2. Ich würde auch gerne auf den Aufkleber verzichten, keine Frage. Aber ich find das System schief: Wir kaufen wie die Blöden und jeden Müll und die Migrationshintergründler schaufeln uns die Wunschzettel ins Postfach, weil man Ihnen vernünftige Arbeit verbietet. Die bunte Werbewelt wird dann munter als Realität kommuniziert und damit ist auch ein beständiger Migrations-Strom abgesichert. Nee, so wird dett nüscht. Dann lieber einmal ein Stück Papier an den Briefkasten, als beständig Papier im Briefkasten.
    Das Thema der Umweltbelastung behandele ich in Kapitel 2 dieses Kommentar. Bitte wieder einschalten…

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