Abwarten und Tee trinken – Aus der Heimat eines edlen Heißgetränkes

Abwarten und Tee trinken – Aus der Heimat eines edlen Heißgetränkes

Am Fuße des Himalaya wird in großem Stil Tee angebaut. Weite Grünflächen, durchsetzt mit Schattenbäumen prägen das Landschaftsbild.

Darjeeling, die Dooars, Assam: Am Fuße des Himalaya wird in großem Stil Tee angebaut. Weite Grünflächen, durchsetzt mit Schattenbäumen prägen das Landschaftsbild.

Tee besteht aus heißem Wasser und dem Extrakt aus Pflanzenbestandteilen. Und der Auszug aus einer Pflanze hat es den britischen Kolonialbeamten im Nordosten Indiens besonders angetan: Camellia sinensis. Das ganze war eine Erfolgsgeschichte – zumindest für die Welt der Kulinarik. Auf der Suche nach geeigneten Anbauflächen wurde fleißig die Landschaft umgestaltet, um die Neuentdeckung zu kultivieren. Seither ist Indien einer der größten Teeproduzenten der Welt – und Assam und Darjeeling sind weltbekannt.

Heute trauert die Tee-Industrie in Indien oft den goldenen Zeiten nach. International fallende Preise,steigende Konkurrenz aus dem Ausland und der Rückgang in der Binnennachfrage – die Softdrink-Industrie wirbt eifrig Kunden ab – machen Probleme. Mehrere Teegärten mussten bereits schließen und man kann sich vorstellen, dass das in einer arbeitsintensiven Industrie nicht zur Heiterkeit bei der Bevölkerung beiträgt.

Weite Grünflächen, Ruhe, gute Luft und ein alt-englisches Ambiente – Teegärten haben neben der Produktionsfunktion auch einen ganz eigenen Reiz. Einige Vordenker haben schon vor Jahren entdeckt, dass Tourismus und Tee gut zusammenpassen. Mittlerweile wird die Reisebranche als Rettungsanker und Wundermittel für die siechende Industrie gepriesen. Die öffentliche Hand unterstützt das neue Traumpaar mit 60 Millionen Rupien für Infrastrukturentwicklung.

Schnell waren die jugendlichen Teegarten-Arbeiter begeistert von der Idee, den Gästen ihre Lieder und Tänze vorzuführen.

Schnell waren die jugendlichen Teegarten-Arbeiter begeistert von der Idee, den Gästen ihre Lieder und Tänze vorzuführen.

Wenn die Pläne aufgehen, werden wohl bald die Massen einströmen, um genüßlich aus Porzellantassen Tee zu schlürfen, und dabei den Pflückerinnen – einen Teepflücker habe ich bisher nicht gesehen – bei ihrem Gezupfe zuzusehen. Sie werden lernen, wie aus der Pflanze ein getrocknetes Substrat hergestellt wird, und vielleicht – idealerweise – werden sie sogar am reichen Kulturschatz der Tee-Arbeiter teilhaben. Von Nah und Fern waren die Arbeiter dereinst gekommen, auf der Suche nach Arbeit. Teegärten boten vergünstigte Grundnahrungsmittel, Schulen, Gesundheitsvorsorge – viele Dinge, die die harte Arbeit attraktiv machten. So sind Mikrokosmen entstanden, Schmelztiegel zahlreicher Volksgruppen, verschiedener Lieder und Geschichten, und kulinarischer Vielfalt. Außerdem sind die weitläufigen Plantagen auch ein wertvoller Lebensraum für allerlei Getier. Auf dem Gelände mancher Teegärten finden sich ausgedehnte Wälder, die von so seltenen Tieren wie dem Nebelparder bewohnt werden. Tümpel innerhalb der Anlagen sind besonders in den Hochlagen Darjeelings die Heimat des vom Aussterben bedrohten Krokodilmolches.

Damit hätte der Tee-Tourismus zusätzliche Attraktionen zu bieten. Notwendige, wie ich finde. Denn ob das Ambiente, die Ruhe, die Abgelegenheit und die Vorstellung des Produktionsprozesses ausreichen, um dauerhaft die sprunghaften Massen der Touristen in einem an neuen Angeboten nicht armen globalen Reisezirkus anzulocken, das bleibt abzuwarten.

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