Was? Fairness Creme

Was ist „Fairness Creme“?

a) Sportsalbe für Schiedsrichter

b) Schlagsahne aus Bioanbau

c) Perlweiß für´s Gesicht

NaN #7 - Fairness Creme

Während in Europa Selbstbräunungs-Creme und Make-up für einen sonnig braunen Teint aufgetragen werden, so gilt hier die vornehme Blässe als Schönheitsideal. Und so versprechen allerlei Cremes eine strahlend rosa Haut und einen hellen Teint – fair eben.

Beschreibt doch mal euren Alltag

Beschreibt doch mal euren Alltag

So die vielfach geäußerte Bitte von europäischen Bekannten.

Als ich vor einigen Jahren von meinem ersten Indienaufenthalt zurück kam, lautete der Auftrag ähnlich. Die Südbild-Agentur in Wien war frisch aus der Taufe gehoben worden. Im wuchernden Dschungel der Bildagenturen mit den allgegenwärtigen Horror- und Elendsbildern aus Entwicklungsländern wollte sie eine neue Spezies sein. Ein Pool von Bildern, die den Alltag der Menschen im Süden darstellen. Mein Bildreservoir war groß genug, um einige Alltagsschnappschüsse beizutragen.

Manchmal sitzen die Passagiere auch auf dem Dach, wie hier in Nepal

Manchmal sitzen die Passagiere auch auf dem Dach, wie hier in Nepal

Heute fällt mir die Darstellung des Alltags viel schwerer. Mit jedem Tag schwindet die Exotik und vormals Herausragendes wird „alltäglicher“. Alltäglicher bedeutet aber im Umkehrschluss: weniger bemerkenswert, weniger fotogen, weniger nachrichtentauglich. Ein übervoller Bus mit einem Dutzend Passagiere auf dem Dach hat einen anderen Reiz, wenn man regelmäßig Bestandteil der dichtgepackten Menschmasse ist. Auch die vierköpfige Familie, die mit der Rikscha vom Großeinkauf zurückfährt, taugte vor einigen Monaten noch zum Fotomotiv. Seither war ich mehrfach selbst Mitglied einer solchen Transport-Partie.

Folge ich nun der Bitte und beschreibe meinen Alltag, so muss ich mir überlegen wie.

Eine Möglichkeit ist, dass ich allgemein und nüchtern beschreibe.

„Morgens stehe ich auf, gehe ins Bad, frühstücke, fahre mit dem Fahrrad oder mit dem Bus ins Büro, arbeite, mache Mittagspause, arbeite bis zum Feierabend, fahre heim, erzähle und lese, dann gehe ich schlafen.“

Dieser Text, obwohl er meinen Alltag ziemlich genau widerspiegelt, würde wohl als Einleitung für einen Multiple Choice Test „Wo wohne ich?“ taugen.

Oder ich beschreibe detaillierter, was die Gefahr mit sich bringt, eine Steilvorlage für vergleichende Gesellschaftskritik zu liefern:

„Lautes Hundegebell weckt mich in aller Herrgottsfrühe. Der Boiler im Bad – ohnehin ein nicht selbstverständlicher Luxus – funktioniert nicht, weil der Strom ausgefallen ist. Nach der kalten Dusche ist ein heißer Kaffee eine willkommene Wärmequelle – da ist es auch egal, dass es nur Instant-Kaffee ist. Obwohl ich es erst vor zwei Tagen aus der Inspektion geholt habe, ist der Vorderreifen meines Fahrrades platt, also bleibt nur die Fahrt im überfüllten Bus…“

Der Leser ist immer auch Richter und als solcher legt er Maßstäbe an. Schnell ist dann vergessen, dass man in einigen ländlichen Gebieten Europas froh wäre, überhaupt noch einen regelmäßigen Bus-Service zu haben. Längst ist er dem Individualverkehr geopfert worden. Oder dass ein nächtlicher Stromausfall den Radiowecker von seiner Pflicht befreit hat und deshalb Dusche und Kaffee ganz ausfallen, wie es mir in Wien mehrfach gegangen ist. Hundegebell hätte das verhindern können.

Die dritte Variante ist ein Romantisieren, was dem Leser ein ebenso blauäugiges wie unglaubwürdiges Bild präsentiert:

„Wenn zum Sonnenaufgang die Hunde fröhlich den Morgen begrüßen, fühle ich die tiefe Naturverbundenheit, die mich hier umgibt. Das frische Wasser wurde nur von Mutter Erde erwärmt – keine künstliche Energiequelle, ganz Natur. Wenn ich doch nur die noch immer ausgeprägte Neigung zum Kaffee lassen könnte. Ist ein frisch gebrühter Tee – aus biologischem Landbau in einem der nahegelegenen Gärten – nicht ohnehin ein wesentlich besseres und gesünderes Heißgetränk, um in den Tag zu starten? Ob Fahrrad oder Bus: Beides eignet sich gleichermaßen, um mich in die Lebhaftigkeit und Vielfalt des indischen Alltags zu entführen…“

Kein Lärm, kein Strom, kein Kaffee, kein hektisches Gedränge. Ein glaubhaftes Bild aus dem ländlichen Indien – Modell einsame Waldhütte in Kanada oder Finnland. Ein authentisches Bild gefühlter alltäglicher Wirklichkeit ist es sicherlich nicht. Und die Leser könnten sich veralbert vorkommen; zu Recht.

Bleibt schließlich der einigermaßen gut recherchierte Hintergrundbericht. Aber der bedeutet viel Arbeit. Arbeit, die in der täglichen Informationsflut nicht von allen Lesern gleichermaßen gewürdigt wird:

„Obwohl die Anzahl von freilaufenden Hunden – umgangssprachlich ‘Straßenköter’ – seit Jahren rückläufig ist und die Stadtverwaltung das Problem mit Sterilisierungsprogrammen adressiert, ist es nach wie vor nicht unüblich, morgens von Hundegebell geweckt zu werden. Der stetig steigende Energiebedarf der schnell wachsenden Wirtschaftsmacht Indien ist noch immer nicht ausreichend und flächendeckend im Angebot berücksichtigt. Noch immer zählen Stromausfälle zum Alltag. Hoffnung auf eine regelmäßige heiße Dusche versprechen die vielen Staudammprojekte im Himalaya und der in Verhandlung befindliche Nuklearenergie-Vertrag zwischen Indien und den USA. Mit der schrittweisen Öffnung der Märkte ist zu erwarten, dass sich das Angebot internationaler Spezialitäten weiter verbreitert – ein frisch gebrühter Espresso wäre eine große Bereicherung meines Frühstücks.

Kaffeemühle, Espressokanne, Kaffeebohnen - im Teeland Darjeeling nicht so einfach erhältlich

Kaffeemühle, Espressokanne, Kaffeebohnen - im Teeland Darjeeling nicht so einfach erhältlich

Die großen Instant-Kaffee-Marken haben bereits gute Voraussetzungen für eine weite Akzeptanz beim Verbraucher geschaffen. Täglich werden in Indien x-Tausend neue Fahrzeuge zugelassen und das 100.000-Rupien-Auto macht ‘Auto-Mobilität’ auch für die Mittelschicht immer interessanter. Der rapide Wandel der Verkehrslandschaft wird sich vermutlich in zweierlei Hinsicht auswirken: Für den öffentlichen Personentransport ist duch den zunehmenden Individualverkehr eine deutliche Entlastung zu erwarten. Die Zeiten dicht gedrängter Busfahrten sehen ihrem Ende entgegen. Andererseits wird es durch die zunehmende Verkehrsdichte zu neuen Problemen kommen – Feinstaub, CO2-Emissionen, Staus. Soll das Fahrrad, das in Indien noch viel zu oft mit Armut und als billiges Transportmittel mangels erschwinglicher Alternative angesehen wird, nicht komplett dem motorisierten Verkehr geopfert werden, ist der Auf- und Ausbau einer alternativen Infrastruktur in Form von Radwegen unabdingbar…“

Nach diesem recht langen Text bin ich noch nicht einmal im Büro angelangt. Die Beschreibung der indischen Arbeitswelt, der üblichen Mittagspausengestaltung, des Speisenangebots etc. würde auch nach vielen Seiten nur oberflächlich die Wirklichkeit reflektieren. Realität ist komplex und ihre Beschreibung immer subjektiv. Bestenfalls intersubjektiv.

Schon die Themenauswahl ist eine Wertung. Langeweile, Überforderung oder das Hinterfragen der jounalistischen Qualität – die Lesermeinungen werden sich spalten. Mein Alltag ist nicht dein Alltag. Also wähle ich als Alternative den Schnappschuss, im Idealfall das Streiflicht. Interessante Themen, die sich als klassische Nachricht nicht qualifizieren – keine Prominenten, keine direkte drängende Aktualität, kein breitentaugliches Interesse. Das ganze in greifbarem Umfang – dieser Text soll der längste bleiben. Eine lose Kombination aus Unterhaltung, Banalität und Hintergrundbericht. Ohne Furcht vor unangenehmen Themen. Und mit einem Fragezeichen, das zum Nachdenken und zur Diskussion einlädt.

Wer eine bessere Idee hat, soll erst mal seinen Alltag beschreiben.

Tell us more about your daily life

Tell us more about your daily life

That’s the often uttered plea of European friends.

When few years back I returned from my first visit to India, the request was similar. The Suedbild Stock Agency in Vienna was newly launched. In the rampant jungle of image agencies with the omnipresent horror- and misery-pix from developing countries they aimed to be a new species; a picture pool that reflects the daily life of the people from the South. My reservoir of snaps was big enough to contribute few shots of everyday life.

Sometimes passengers sit on the roof as well, as here in Nepal

Sometimes passengers sit on the roof as well, as here in Nepal

Today I find the depiction of the common life increasingly difficult. ery day the exoticism vanishes more and what was once extraordinary fades into common. But more common means on the other hand: less remarkable, less photogenic, less worthy to be reported. An overcrowded bus with a dozen of passengers traveling on the roof has a different zest when you are regularly part of the densely packed human bulk. Also the four headed family on their way back from the weekly marketing gave a nice theme for a snap only few month back. Since, I myself have been member of such a transportation party several times.

If I follow up the request to describe my daily life, I have to consider a viable way:

One option was to describe it very general and unemotional:

“In the morning, I get up, have my bath, take my breakfast, go to the office by cycle or bus, work, have a lunch break, continue work till closing of the office, return home, exchange thoughts with my family, read a bit, and then go to sleep.”

This text, though reflecting my daily life very well, would definitely qualify for a multiple choice test: “Guess where I live?”

Or I describe a bit more detailed, and run danger of offering a fantastic point of attack for comparative social criticism:

„Ear-tearing barking wakes me up far too early. The water heater in the bathroom – anyway a luxury not to be taken for granted – doesn’t work, as the power supply is cut off. After a cold shower a hot coffee is a highly appreciated warmer – it even doesn’t matter that it is only instant coffee. Though I picked up the cycle from the workshop only two days back, the front tire has a flat, and I have to catch the overcrowded bus.”

The reader is always a referee and consequently applies his standard. Too easy it is forgotten then, that in some rural areas of Europe people would be happy to at least have a regular bus service. Long ago it has been sacrificed to the individual transport. Or that a nightly power cut has rid the radio alarm clock of its duty and consequently both the bath and the breakfast have to be skipped completely, as I have experienced several times during my time in Vienna. A barking dog would have avoided that.

The third possibility is a romantising, which would provide the reader with a picture as blue-eyed as implausible:

„When at dawn the dogs happily welcome the emerging day, I feel the deep connection to nature that surrounds me here. The chilly water was only warmed by Mother Earth – no artificial source of energy, but pure nature. If only I could shake off the passion for coffee that still tempts me. Isn’t a freshly brewed tea – organically grown in one of the gardens nearby – a much better and healthier drink to start the day with, anyway? Be it on my cycle or in the bus: Both means of transport equally qualify to soak up the vividness and diversity of Indian daily life…”

No noise, no electric power, no coffee, no hectic crowding. A credible picture of rural India or remembering of a lone forest hut in Canada or Finland, but definitely not an authentic picture of sensed daily reality. And the readers could feel spoofed –justifiably so.

What remains is the more or less well researched reportage. But this would mean a lot of work. Work that in the daily flood of information would not be honored in equal measure by all the readers:

Kaffeemühle, Espressokanne, Kaffeebohnen - im Teeland Darjeeling nicht so einfach erhältlich

Coffee beans, a grinder and an Italian coffee maker - not really common sights in Darjeeling

“Though the amount of straying dogs is declining since many years and the municipality addresses the problem with sterilization programmes, it is still not unusual to be waken up by barking in the early morning. The steadily increasing demand for energy of the fast growing economic power India is not yet sufficiently factored all over the country. Still power cuts frequently occur. Some hope on a regular hot shower arises with the prospect of the many hydroelectric power projects in the Himalaya and the nuclear power supply treaty that is just negotiated between India and the USA. With the gradual opening of the markets one can expect that the available variety of international gastronomic specialties will further increase – a freshly brewed Espresso would be a great enrichment of my breakfast. Kaffeemühle, Espressokanne, Kaffeebohnen – im Teeland Darjeeling nicht so einfach erhältlichThe big instant-coffee brands have developed good pre-conditions for a broad acceptance by the consumers. Everyday, in India x-thousand of new cars are registered and the 100.000 Rupee car will also make ‘auto-mobility’ more and more interesting for the middle class. The rapid transition of the traffic patterns will most likely have effects in two directions: The increasing individual traffic will take some of the pressure off the public transport system. The times of crowded bus rides will soon be over. On the other hand, the increasing traffic density will lead to new problems – particulate matter, carbon emissions, congestion. If the bicycle – which in India still too often is being associated with poverty and perceived as a cheap means of transport due to the lack of affordable alternatives – is not to be completely sacrificed to motorized transport, the construction and development of an alternative infrastructure in the form of bicycle lanes is indispensable…”

After this quite elaborated essay, I have not even reached office. The description of Indian office life, the usual ways to spend the lunch break, the food offer etc. would even after many pages reflect reality rather superficially. Reality is complex and its description is always subjective. At most, inter-subjective.

Already the choice of topics is a valuation. Boring or overstraining texts, or the scrutinizing of journalistic quality – the reader’s opinions will differ. My daily routine is not your daily routine. Consequently, I chose the snapshot as an alternative, in the ideal case the highlight. Interesting topics which won’t qualify for classical news – no celebrities, no direct pressing up-to-dateness, no broad public interest. All this in a tangible outline – this text shall remain one of the longest. A loose combination of entertainment, mundaneness and background story. Without fear of unpleasing topics. And with a question mark that invites cogitation and discussion.

Whoever has a better idea, should first describe the own daily life.

Sicher ist sicher

Being on the safe side

Cyclist

Radfahrer

Der Polizeichef von Siliguri radelt – ein großes Lob dafür – zur Arbeit, und schließt im Innenhof des Polizeireviers gewissenhaft sein Fahrrad ab. Gewohnheit, Vorsicht oder ein Statement zur Sicherheit von Polizeirevier-Innenhöfen? Ein hohes Tor, immer verriegelt, und ein Wachhund – in unserem Innenhof haben wir tagsüber die Fahrräder lange nicht abgeschlossen. Bis uns der Wachmann seine Sorge mitgeteilt hat, sie könnten gestohlen werden. Wir haben seinen Rat befolgt. Wir wollen uns ja kulturell nicht ins Abseits stellen. Zur Sicherheit.

A group of sleeping street dogs, no dog piles in sight

Ein friedlich schlafende Gruppe von Straßenhunden, weit und breit keine Tretminen in Sicht.

A group of sleeping street dogs. No dog piles in sight.

In Europa lauern aber Gefahren, denen man hier eher selten begegnet. Herren- (und damen-) lose Hunde sind ein alltäglicher Anblick. An fast jeder Ecke stehen welche, oder sie liegen in Hauseingängen, oder mitten auf der Straße. Sie ernähren sich von Abfall und vertreiben sich die Zeit mit Revierkämpfen. Nun treibt uns die Frage um, warum so wenig ‘Tretmine’ herumliegen. Kriegen die Hunde weniger zu fressen, sodass auch die Ausscheidungsmasse entsprechend geringer ist? Oder haben sie spezielle Stuhlgangreviere, fernab von Fusswegen? Es ist ein Faszinosum: Während man in Berlin vielerorts auf Zehenspitzen mit großer Voraussicht durch die Straßen balancieren muss, kann man hier getrost den Blick schweifen lassen. Es ist erstaunlich, aber es gibt kaum Hundehaufen. Da sind Kuhfladen schon ein weitaus alltäglicherer Anblick. Und die sind so groß, dass man gute Chance hat sicher mit sauberen Schuhen durch die Welt zu gehen.

Being on the safe side

Being on the safe side

Cyclist

Cyclist

The chief of a Siliguri Police station uses the bicycle for coming to work – a quite praiseworthy deed. In the yard of the beat office he locks his cycle. Habit, caution, or an unspoken statement on the safety level of police beat offices’ courtyards? A big gate, permanently locked and a watch dog – in our housing complex courtyard we did not lock the bicycles for a long time. Until the watchman reported his sorrow that they might be stolen. We have followed his advise. After all, we don’t want to put ourselves in the cultural offside. Just to be on the safe side.

A group of sleeping street dogs, no dog piles in sight

A group of sleeping street dogs. No dog piles in sight.

But in Europe dangers lurk, that are rarely observed here. A group of sleeping street dogs, no dog piles in sightStraying dogs are a common sight. On almost every corner they roam, or the sleep in house entrances or in the middle of the street. They feed themselves on leftovers and pass their time with fights to climb up in the pecking order. Now the question arises: Why so few dog piles? Is it undernourishment so that consequently the droppings are less? Or do they have special defecation beats, far off the streets and pavements? It is fascinating: While in many places of Berlin one has to balance circumspectly on its toes, here you can easily let your eyes travel around. It is amazing, but there is hardly any dog dirt. Then cow pats are a much more common sight. But they are so big that changes are quite high to walk the world with clean shoes on.

Abwarten und Tee trinken – Aus der Heimat eines edlen Heißgetränkes

Abwarten und Tee trinken – Aus der Heimat eines edlen Heißgetränkes

Am Fuße des Himalaya wird in großem Stil Tee angebaut. Weite Grünflächen, durchsetzt mit Schattenbäumen prägen das Landschaftsbild.

Darjeeling, die Dooars, Assam: Am Fuße des Himalaya wird in großem Stil Tee angebaut. Weite Grünflächen, durchsetzt mit Schattenbäumen prägen das Landschaftsbild.

Tee besteht aus heißem Wasser und dem Extrakt aus Pflanzenbestandteilen. Und der Auszug aus einer Pflanze hat es den britischen Kolonialbeamten im Nordosten Indiens besonders angetan: Camellia sinensis. Das ganze war eine Erfolgsgeschichte – zumindest für die Welt der Kulinarik. Auf der Suche nach geeigneten Anbauflächen wurde fleißig die Landschaft umgestaltet, um die Neuentdeckung zu kultivieren. Seither ist Indien einer der größten Teeproduzenten der Welt – und Assam und Darjeeling sind weltbekannt.

Heute trauert die Tee-Industrie in Indien oft den goldenen Zeiten nach. International fallende Preise,steigende Konkurrenz aus dem Ausland und der Rückgang in der Binnennachfrage – die Softdrink-Industrie wirbt eifrig Kunden ab – machen Probleme. Mehrere Teegärten mussten bereits schließen und man kann sich vorstellen, dass das in einer arbeitsintensiven Industrie nicht zur Heiterkeit bei der Bevölkerung beiträgt.

Weite Grünflächen, Ruhe, gute Luft und ein alt-englisches Ambiente – Teegärten haben neben der Produktionsfunktion auch einen ganz eigenen Reiz. Einige Vordenker haben schon vor Jahren entdeckt, dass Tourismus und Tee gut zusammenpassen. Mittlerweile wird die Reisebranche als Rettungsanker und Wundermittel für die siechende Industrie gepriesen. Die öffentliche Hand unterstützt das neue Traumpaar mit 60 Millionen Rupien für Infrastrukturentwicklung.

Schnell waren die jugendlichen Teegarten-Arbeiter begeistert von der Idee, den Gästen ihre Lieder und Tänze vorzuführen.

Schnell waren die jugendlichen Teegarten-Arbeiter begeistert von der Idee, den Gästen ihre Lieder und Tänze vorzuführen.

Wenn die Pläne aufgehen, werden wohl bald die Massen einströmen, um genüßlich aus Porzellantassen Tee zu schlürfen, und dabei den Pflückerinnen – einen Teepflücker habe ich bisher nicht gesehen – bei ihrem Gezupfe zuzusehen. Sie werden lernen, wie aus der Pflanze ein getrocknetes Substrat hergestellt wird, und vielleicht – idealerweise – werden sie sogar am reichen Kulturschatz der Tee-Arbeiter teilhaben. Von Nah und Fern waren die Arbeiter dereinst gekommen, auf der Suche nach Arbeit. Teegärten boten vergünstigte Grundnahrungsmittel, Schulen, Gesundheitsvorsorge – viele Dinge, die die harte Arbeit attraktiv machten. So sind Mikrokosmen entstanden, Schmelztiegel zahlreicher Volksgruppen, verschiedener Lieder und Geschichten, und kulinarischer Vielfalt. Außerdem sind die weitläufigen Plantagen auch ein wertvoller Lebensraum für allerlei Getier. Auf dem Gelände mancher Teegärten finden sich ausgedehnte Wälder, die von so seltenen Tieren wie dem Nebelparder bewohnt werden. Tümpel innerhalb der Anlagen sind besonders in den Hochlagen Darjeelings die Heimat des vom Aussterben bedrohten Krokodilmolches.

Damit hätte der Tee-Tourismus zusätzliche Attraktionen zu bieten. Notwendige, wie ich finde. Denn ob das Ambiente, die Ruhe, die Abgelegenheit und die Vorstellung des Produktionsprozesses ausreichen, um dauerhaft die sprunghaften Massen der Touristen in einem an neuen Angeboten nicht armen globalen Reisezirkus anzulocken, das bleibt abzuwarten.

Wait, see and sip a cup of tea – From the home of a most respected hot drink

Wait, see and sip a cup of tea – From the home of a most respected hot drink

Am Fuße des Himalaya wird in großem Stil Tee angebaut. Weite Grünflächen, durchsetzt mit Schattenbäumen prägen das Landschaftsbild.

Darjeeling, the Dooars, Assam: On the foothills of the Himalaya tea is grown in a big style. Vast green areas interspersed with shade trees characterize the landscape.

Tea consists of hot water and herbal extracts. And the essences of one particular plant were extremely attractive to the British colonial administration officers in India’s Northeast: Camellia sinensis. The whole turned out to become a success story – at least for the culinary world. In search of adequate planting areas the landscape was eagerly transformed to cultivate the new discovery. Since, India is one of the biggest global tea producers – and Assam and Darjeeling are world famous.

But today, India’s tea industry is often yearning for the golden times. Prices have cracked down on international markets, competition has increased from other areas abroad and the decrease in domestic demand – the soft drink industry is poaching clients away – are making problems. Several tea gardens already had to close down and one can imagine that this is not causing happiness of the population in such labor intensive industry.

Vast green areas, tranquility, fresh air and an old English ambience – Tea gardens have a very special appeal, besides its production function. Some visionaries have recognized already years ago, that tourism and tea go well together. By now, the travel industry is praised as sheet anchor and panacea for the suffering industry. Public authorities are supporting the new dream couple with 60 million Rupees for infrastructure development.

Schnell waren die jugendlichen Teegarten-Arbeiter begeistert von der Idee, den Gästen ihre Lieder und Tänze vorzuführen.

The young tea garden workers liked the idea to perform dances and songs for the guests.

If the plans succeed, soon the masses will start flushing in, to appreciatively sip tea from porcelain cups while they watch the tea pluckers – female ones, male ones I have not noticed so far – plucking the leaves. They will learn how the plant is processed into a dried substrate and perhaps – ideally – they will participate in the rich cultural treasure of the tea-garden workers. From near and far they had come once, in search of labour. Tea gardens offered discounted food rations, schools, and health-care – many things that made even hard work attractive. Thus microcosms have evolved, melting pots of various ethnic groups, with different songs and tales, and culinary diversity. Moreover, the ample plantations are a valuable habitat for sundry animals. On the premises of several tea gardens wide-stretched forests are found that are inhabited by such rare animals like the clouded leopard. Pools inside the properties especially in the upper areas of Darjeeling are home to the Himalayan Newt, a species on the edge of extinction.

With that tea tourism had additional attractions to offer. Necessary ones, I think. As whether the ambience, the tranquility, the remoteness and the display of the production process alone are sufficient to permanently draw the attention of the volatile masses of tourists in a global travel circus not scarce of ever new alternatives, we have to wait and see.