Von allen guten Geistern umgeben

Von allen guten Geistern umgeben
Der Schuhputzer heißt Chandrak nicht Cleanfix, die “Waschmaschine” Mayur nicht Miele, der Kofferkuli nan-_3-dec-2007_01.jpgTushi nicht Trolley. Indien muss einige Hundert Millionen Menschen in Lohn und Brot halten und hier sieht man wie sehr die Service-Industrie in Mitteleuropa am Stock geht. Tausende Kleinigkeiten, die – dem Fortschritt sei dank – in Deutschland automatisch erledigt werden, werden hier noch von Hand gemacht. Nicht von eigener Hand wie in Deutschland – der Kaffee kommt ja nicht durch bloßes Anschauen aus dem Automaten und das Gepäck fährt sich auch nicht alleine vom Zugabteil zur Bahnhofshalle – sondern wie von Geisterhand. Menschen sitzen auf der Straße und verkaufen frisch aufgebrühtenTee, ihr Ladengeschäft würde in einen Schuhkarton passen. Andere sind Besitzer einer Waage und bieten einmal Wiegen für 1 Rupie an. Schilder, die den Eingang der Häuser und Geschäfte zieren werden, von Hand gemalt oder etwas vornehmer in Marmor gemeißelt. Briefeschreiber, Snack-Lieferanten, Chauffeure, Laufburschen – es ist eindrucksvoll wieviel man sich abnehmen lassen kann. Unsere neueste Errungenschaft ist ein wahres Multitalent. Hinter dem Modell Geeta verbirgt sich eine freundliche Frau in den Vierzigern, die eines morgens an der Tür geklopft hat. Ohne lange abzuwarten, hat sie sich den Kleinen geschnappt, ist mit ihm einmal durch die Wohnung gelaufen und hat dann angefangen, das Geschirr zu spülen. Den Gedanken, eine Haushaltshilfe einzustellen, um so etwas Freizeit für einen Sprachkurs zu haben, hatten wir schon länger und mit diesem auch nicht hinter dem Berg gehalten. Unsere Nachbarin war die Drahtzieherin im Hintergrund, die uns den guten Geist beschert hat. Seither steht morgens Frühstück auf dem Tisch, wenn wir aus dem Bad kommen, die Ochsentour mit zwei Kindern auf dem Fahrrad hat ein Ende, der Kleine krabbelt auf einem mehrfach wöchentlich geputzten Fußboden, und die vorher häufigen Abend-Besuche in den Garküchen um die Ecke haben ein Ende. Mit Geeta als vorzüglicher Köchin stehen täglich frische Köstlichkeiten der Bengalischen Küche auf dem Tisch.Ein Problem bringt die Beschäftigung eines “Hausgeistes” allerdings mit sich: Man muss die Zeit füllen, während der man zwangsläufig jemand anders beim Arbeiten zuschaut. Da ist der Sprachkurs ab nächste Woche bestimmt eine gute Option – und dann wird aus Geeta, dem bisher meist stummen Geist, bestimmt auch eine recht unterhaltsame Gesprächspartnerin.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s