Durga Puja

Durga Puja
Durga Puja - Neues am Neunten #2 November 2007Diabetiker aufgepasst, jetzt kommen die tollen Tage. Mit der Durga Puja beginnt in Bengalen die Festsaison und zu einem guten Fest gehören hier Süßigkeiten. Die Nachbarn bringen welche, die Geschäftspartner, die Freunde und Bekannten – jeder bringt jedem eine kleine süße Anerkennung. Nicht viel, nur so ein zwei kleine Schachteln. Auch wenn uns die Wiener jetzt zur Fahndung ausschreiben: im Vergleich mit den Bengalen verblasst jeder andere Zuckerbäcker. Die Vielfalt ist sagenhaft und viele Leckereien basieren – für europäische Gaumen erst einmal ungewöhnlich – auf Milch. Die Spezereien sind aber nur die Sahnehaube des Festes. In der letzten Ausgabe wurde von einer Mischung aus Weihnachten und Ostern gesprochen. Das Fest der Muttergöttin Durga ist das höchste Fest der Bengalen – in diesem Sinne Ostern. Die Tradition, Geschenke zu überreichen erinnert ebenso an Weihnachten wie die zweiwöchigen Schulferien. Ergänzen könnte man noch um Fronleichnam und Fasching, bzw. Karneval (für die Rheinländer unter den Lesern). Fronleichnam, weil temporäre Altäre errichtet werden. Und Karneval, weil an den letzten beiden Tagen der Puja kunstvoll gestaltete Figuren begleitet von tanzenden und musizierenden Massen auf LKWs durch die Straßen gefahren werden – bis zum nächsten Wasser, oftmals ein Fluss. Zugegeben, die Vergleiche sind ebenso schwierig wie schwach. Bevor unsere diletantischen Erläuterungen also zu einer klebrigen Melasse verkommen, erinnern wir uns des Bon-Mots “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”.
nan-_2-november-2007_02.jpg nan-_2-november-2007_04.jpg nan-_2-november-2007_09.jpg

Tanz und Gesang Durga Puja- Neues am Neunten #2 November 2007 Wasserbestattung - Neues am Neunten #2 November 2007
Abschließend aber noch eine persönliche Anekdote – anknüpfend an die Episode beim Kinderarzt.
An den letzten beiden Tagen werden wie beschrieben die Figuren mit viel Tamtam zum Wasser gebracht. Obwohl Alkohol in Indien einen weit geringeren gesellschaftlichen Stellenwert besitzt als in Europa – zumindest in Deutschland wäre wahrscheinlich jeder zweite Straßenstand mit einer Zapfanlage ausgestattet – so nimmt doch der eine (die andere fällt hier weg) das Fest gerne zum Anlass sich vollzutanken. Die Wasserbestattung der Göttin war selbstverständlich ein Ereignis, das wir uns nicht entgehen lassen wollten. Den Kleinen im Tragegestell auf dem Rücken, die Große auf dem Kindersitz sind wir zum Flussufer geradelt und wurden dort gleich begeistert von einigen hundert Menschen umringt – es wäre vermessen, zu sagen, dass die Kinder der Göttin die Show gestohlen haben. Obwohl permanent angefasst, haben die beiden alles lächelnd und gelassen über sich ergehen lassen. Bis ein leicht angetrunkener Mitvierziger seine Entzückung über unsere Tochter nicht mehr zurückhalten konnte und sie mit einem “wie ein Engel” auf seinen Arm gezerrt hat. Ein lauter Aufschrei, die Hundertschaften alle zwei Schritte zurück, der Mann in Feierlaune schlagartig nüchtern und das Kind wieder auf dem Boden und flugs in Papas Arm. Frisch getröstet ging es mit neuem Selbstvertrauen zurück zum Fahrrad. Zwei hellhäutige Kinder, dazu ein Lulatsch mit einem Fahrrad in Übergröße, schon war die nächste Menschentraube parat. Und aus dieser trat ein Mann hervor, der – er hatte dem Geruch und der Aussprache nach erheblich Mut getankt – uns sehr aufdringlich seiner ewigen Freundschaft versicherte. Ein kurzer Kontrollblick, ob unser Jüngster im Tragegestell die Gesichtsfingereien noch lustig findet, war Zeit genug sich unser Töchterlein einmal zur Brust zu nehmen. Ein gellender Schrei, lautes Geheule, und ein wild um sich schlagendes Kind im Klemmgriff unseres angetrunkenen “Freundes”. Für gute Worte fehlte die Zeit, die Besitzergreifung wurde immer rabiater und so blieb nur lautes Schimpfen und körperbetontes Zurückfordern des eigen Fleisch und Blutes. Der freundliche Polizist, der in Windeseile Rohrstock voran in die Szene eilte, hat uns – nachdem er uns freundlich aufgefordert hat, doch besser den Ort zu wechseln – vielfach sein Bedauern ausgedrückt und uns der großen Gastfreundschaft der Bengalen versichert. Solange, bis auch die Kleine wieder Vertrauen in die neue Umgebung gefasst hatte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s