Was? Italian Saloon

Was ist ein „Italian Saloon“?Italian Saloon Kolkata_Neues am Neunten Oktober 2007_Was ist…

a) eine Eisdiele

b) ein Frisörsalon

c) eine Kneipe mit Schwingtür

Ita ist das bengalische Wort für Backstein. Auf einem solchen sitzt man oftmals, wenn man sich auf der Straße rasieren oder frisieren lässt. Ein Mann – eine Frau haben wir bisher nie in dieser Rolle gesehen -, der sich auf der Straße um anderer Leute Haare kümmert, ist folglich der Inhaber eines Italian Saloon. (Auch wenn das, lieber U., nix mit Alkohol zu tun hat – höchstens mit Alaunstein)

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News on the Ninth – India – #1 – October 2007

Bengali hospitality
We follow the man welcoming us in the arrival section of Kolkata with the signboard “Mr. Marcus and family, Germany” to a car without speaking a word. After almost an hour of “street fight” he stops in front of a four-storey building and leads us to the second floor. There he opens the door to a three-room appartment: our new home. Beds, table and chairs, a basic kitchen equipment, two bathrooms, fans on the ceilings are there, even a sitting group with a couch is available. Most of the things has been taken care of; it is like gliding into a bath-tube with pleasantly smelling, well-temperated water, where only candlelight is missing. In the case of our apartment neither a lack of light, nor of warmth is the problem, rather it is the missing drinking water. We distribute our remaining stock and lay down to sleep. After two hours a knock on the door – my colleagues are bringing a fridge.

Everything funny
Our four year old daughter has already gone through her first adulthood and has recently stopped her annoying “Why”-questions. Now, our new environment has coined a new favorite word: “Funny”. Rikhschas are funny bicycles, auto-rikhschas funny scooters, Dhal a funny form of lentile soup, the … funny pathways, not intended to walk on. The list could continue endlessly as basically everything is funny. Especially – and that appears most funny to her: All the people seem to accept this as normal. Slowly she is recognizing that she is the one, who is funny. All have darker skin, darker hair, darker eyes than she has. All speak to her, though they do not speak a single word of German. And then wonder why she does not respond. After two weeks, now her progress is remarkable: A honking car/bicycle/scooter and she obediently jumps to the street-side. Food is taken exclusively with the right hand. When entering a room, shoes are taken off etc. etc. Many things slowly become a routine and for our little one, they will probably become everyday life. That´s all the same, as long as she can go to kindergarten from next week on. Though no-one speaks German there.

Little Europe on the Ganges
Die Imambarah in HooghlyWe are – someone said so? – not the first Europeans around. Victorian architecture is omnipresent, the Britishers had built plenty of buildings in Kolkata. At last, the City was for a long time the second biggest agglomeration of the Empire. On Saturday during a day trip we have inhaled a packed dose of mainland Europe. Frankly speaking, not too much is left of the former colonial settlements. Several hundred years have taken their toll. Nevertheless, it was well worth doing the trip. A Dutch cemetary, a French church, a Portuguese basilica cum monastery, and – how else could it be – again leftovers of the British Raj. But as also some Zamindars, local landlords, left a palace and/or a temple the trip is far from being boring. The tour was spiced up with an exhaustive visit of the Imambarah in Hooghly. The Muslim complex with praying hall, guesthouse and religion school has seen better times, but the Archeological Society of India is just bringing back the old shine. The clock on the tower, a present from the British Queen, seems not to care too much about time. Every 15 minutes the bells, weighing several tons, toll.

The Scottish, the Danish and the Armenian settlements we had to omit for this time. They have to wait for another day-trip soon to come.

Klein-Europa am Ganges

Klein-Europa am Ganges
Die Imambarah in HooghlyWir sind – wer hatte das gedacht – nicht die ersten Europäer in der Gegend. Die Engländer haben in Kolkata reichlich viktorianische Architektur hinterlassen. Schließlich war die Stadt lange Zeit die zweitgrößte Siedlung im ganzen Empire. Am Samstag haben wir uns aber bei einem Ausflug eine komprimierte Dosis Festland-Europa einverleibt. Zugegeben, viel ist nicht übrig von den einstigen Kolonialsiedlungen. Ein paar hundert Jahre haben ihren Tribut gefordert. Lohnend war es trotzdem. Ein holländischer Friedhof, eine französische Kirche, eine portugiesische Kathedrale samt Kloster in Bandel und natürlich auch hier Spuren der Engländer. Da aber auch der ein oder andere lokale Herrscher einen Palast und/oder, einen Tempel beigetragen hat, kommt keine Langeweile auf. Garniert wurde der Ausflug durch eine intensive Besichtigung des Imambarah in Hughli. Die Muslimische Anlage mit Gebetshaus, Gästebereich und Schulzentrum hat schon bessere Zeiten gesehen, wird aber gerade aufwendig durch die Archäologische Gesellschaft Indiens restauriert. Der Turmuhr, ein Geschenk der englischen Königin, hingegen scheint die Zeit wenig ausgemacht zu haben. Alle 15 Minuten läuten die tonnenschweren Glocken.
Die schottische, die dänische und die armenische Siedlung müssen sich bis zu unserem nächsten Tagesausflug gedulden.

Bengalische Gastfreundschaft

Bengalische Gastfreundschaft
Wir folgen dem Mann, der uns mit einem Schild mit der Aufschrift “Mr. Marcus and family, Germany” im Ankunftsbereich von Kolkatas Flughafen abgepasst hat, wortlos zum Auto. Nach einer dreiviertel Stunde morgendlichen “Straßenkampfs” hält er vor einem vierstöckigen Haus und geht uns voran ins zweite Stockwerk. Dort öffnet er die Tür zu einem Drei-Zimmer-Appartment, unserem neuen Zuhause. Betten, Tisch und Stühle, Basis-Kücheneinrichtung, zwei Bäder, Ventilatoren an den Zimmerdecken sind vorhanden, sogar eine Couchecke hat man uns zugedacht. An fast alles wurde gedacht; es ist, als gleite man in eine Badewanne mit angenehm duftendem wohltempariertem Badewasser, wo nur das Kerzenlicht fehlt. Im Falle unseres Appartments sind weder fehlendes Licht, noch fehlende Wärme das Problem, sondern vielmehr der Mangel an Trinkwasser. Wir brauchen unsere Restvorräte auf und legen uns schlafen. Nach zwei Stunden klopft es an der Tür – meine Bekannten bringen einen Kühlschrank.

Alles komisch

Alles komisch
Unsere Vierjährige hat die erste Trotzphase hinter sich und ist gerade einigermaßen der “Warum”-Nerverei entwachsen. Der Wechsel des Umfeldes hat ein neues Lieblingswort in ihr geprägt: “Komisch”. Rikschas sind komische Fahrräder, Motorrikschas komische Roller, Dhal eine komische Form von Linsensuppe, die Straßengräben komische Bürgersteige, auf denen man nicht laufen kann. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, weil einfach alles komisch ist. Vor allem, und das kommt ihr besonders komisch vor: Alle scheinen das alles als normal zu empfinden. So langsam begreift sie, dass sie komisch rüberkommt. Alle haben dunklere Haut als sie, dunklere Haare, dunklere Augen. Alle reden auf sie ein, obwohl sie kein Wort Deutsch können. Und wundern sich dann, dass sie keine Antwort gibt. Nach zwei Wochen sind ihre Fortschritte beachtlich: Ein Auto/Fahrrad/Roller hupt (alle hupen hier im Sekundentakt), schon geht sie brav zur Seite. Gegessen wird nur mit rechts, schließlich haben wir kein Klopapier mehr. Beim Betreten geschlossener Räume Schuhe ausziehen, und und und. Vieles wird langsam Routine, und für den kleinen Mann wird es wohl Alltag werden.
Hauptsache, nächste Woche kann sie endlich in den Kindergarten. Obwohl dort keiner Deutsch spricht.